Hintergründe

 

 

Hat uns die Geschichte möglicherweise doch etwas gelehrt und uns zur Abkehr von der typisch deutschen Beratungsresistenz à la "Das war schon immer so, da ist noch nie was passiert..." bewogen und den Blick auf mehr Sicherheit geschärft?

Werden vielleicht vorhandene Sicherheitsmaßstäbe mit gebotenem Referenzcharakter umgesetzt, statt die grundlegenden Sicherheits-maßnahmen und Arbeitsschutzrichtlinien doch wieder mit Sicht durch die Prestige-Brille zu unterlaufen?

 

Diese Fragen habe ich mir ebenfalls gestellt. Und weitere, wie z.B.:

 

  • werden die vorgenannten, internationalen Safety-Guidelines wie Seveso II umgesetzt?
  • gibt es professionelle Katastrophenschutzberatung?
  • wie sieht die medizinische Versorgung aus, wie die Ersthelfer-Situation?
  • existieren Möglichkeiten zur Höhenrettung?
  • was gibt es für spezifische und unspezifische Gefahren, wie ist das örtliche Umfeld mit einbezogen?
  • werden Hilfsfristen eingehalten?
  • wie sieht die Versorgung eines Worst-Case-Szenarios aus – welche Schutzpläne, Maßnahmen, Erfahrungen existieren?
  • gibt es Schutzräume?
  • wie funktioniert die Alarmierungskaskade?
  • ist die Zusammenarbeit der einzelnen Hilfsstrukturen praxisgerecht?
  • wie werden Evakuierungsszenarien gemanagt?
  • weiß im Ernstfall jeder, was er zu tun hat?

 

Eine der wichtigsten Fragen bei einem derartigen Projekt stellt sich aber darin, ob die Management-Ebenen mit Blick auf Auftrag und das gemeinsame Ziel, konsruktiv zusammenarbeiten oder aber -aus welcher Motivation auch immer-, notwendige Schritte durch Schnittstellenbereiche (wie z.B. insbesondere das HSE-Management selbst) systematisch konterkarieren.

 

Eines dieser Projekte stelle ich ihnen hier in Kürze analysiert vor.

Mit den Augen eines in Praxis und Bildung erfahrenen Notfall-Mangers betrachtet, eingesetzt im HSE-Management und projektaktiv vor Ort. Mit Blick auf die vorgenannten Punkte, habe ich meine Lehren gezogen – und ein Bild gewonnen, das mich sehr überrascht hat..

 

Arne Koss

 

Tote & Verletzte...

Solche Headlines waren bereits real.

In der Historie der Chemiekonzerne sind Großschadens-Ereignisse & Katastrophen regelmäßig dokumentiert –

teilweise mit verheerenden Ausmaßen.

 

Schnell kommen Erinnerungen an die Katastrophen in Bhopal 1984 und Seveso 1976 hoch – mit Tausenden von Toten und Verletzten. Oder Unglücke in der BASF Ludwigshafen, wie die Kesselwagenexplosion mit über 4000 Opfern.

Die Konsequenz dieser Schreckensszenarien sind die als „Seveso II" bekannten, europäischen Sicherheits-Richtlinien 96/82/EG - Mitte 2015 aktualisiert als „Seveso III“ (auch "Störfallverordnung" im BImSchG).

Letztlich nur ein Papier. Und was haben wir für die Praxis aus den vielen schlimmen Schicksalen gelernt?

 

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bietet solchen Unternehmen mit „kritischen Infrastrukturen“ hierzulande seine professionelle Hilfe an – seit über 10 Jahren.

Also alles gut, sollte man meinen…

Aber wie sieht es wirklich aus?

 

Der aktuelle Trend in der Chemie sind Anlagen zur TDI – Produktion, einem wichtigen Zwischenprodukt der Kunststoffindustrie.

Die verwendeten Chemikalien für die notwendigen, hochkomplexen Produktionsprozesse sind äußerst explosiv und höchstgradig toxisch.

Bei Kontakt reicht es von der leichten Haut- oder Schleimhautreizung über die Erblindung bis zum qualvollen Tod durch Atemlähmung und Erstickung.

 

Dennoch buhlt weltweit jeder Konzern darum, mit seiner eigenen Mega-Anlage der Größte zu sein. In diesem Milliardengeschäft geht es um Aufträge, Zeit und höchste Kapazitäten. Also um Geld, einem -für Strafmaße juristisch geschriebenen- „niederen Beweggrund“.

Auf engstem Raum errichtet, mit jeweils bis zu mehreren Tausend Arbeitern vor Ort – zeitgleich aus allen Gewerken und Regionen der Welt stammend, werden die Anlagen bis in große Höhen gebaut und noch während der Bauphasen mit höchstgiftigen Chemikalien befüllt.

Sprachliche Verständigungsprobleme, mangelndes Sicherheits- und Gesetzesbewußtsein scheinen aufgrund der Vielzahl beteiligter Nationalitäten unveränderbar systemimmanent. Oder doch nicht...?

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